Digitale Teilhabe in Altenheimen

Digitale Teilhabe in Pflege- und Altenheimen bietet Menschen die Möglichkeit zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität im Alter. Durch den Zugang zum Internet und seniorengerechte digitale Angebote können Heimbewohner*innen ein selbstbestimmteres Leben führen. Was müssen Pflegeeinrichtungen tun, um den alten Menschen die digitale Teilhabe zu ermöglichen?

Warum digitale Teilhabe für ältere Menschen so wichtig ist

In der Generali Altersstudie wurden Personen zwischen 65 und 85 Jahren gefragt, was ihre Wünsche für die Zukunft sind. Das Ergebnis: Für die Senior*innen ist es von zentraler Bedeutung, trotz altersbedingter Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.

Laut der WHO bedeutet Teilhabe „das Einbezogensein in eine Lebenssituation“. Für den Menschen als soziales Wesen ist dies ein essentieller Faktor für die medizinische Gesundheit, das subjektive Wohlbefinden und eine hohe Lebensqualität. Teilhabe bedeutet für ältere Menschen die Möglichkeit, aktiver und selbstbestimmter Teil des sozialen Lebens zu sein und an den gesellschaftlichen Infrastrukturen und Angeboten umfassend teilnehmen zu können.

Die voranschreitende Digitalisierung spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Die nicht mehr wegzudenkende Nutzung des Internets und weitreichende technische Innovationen in nahezu allen Lebensbereichen führen dazu, dass die digitale Teilhabe heute zur Einbindung ins soziale Leben einfach dazu gehört. Die Digitalisierung kann Menschen miteinander verbinden und sie dabei unterstützen, einen selbstgewählten Lebensstil zu führen.

Laut einer Datenerhebung von Statista nutzen immer mehr ältere Menschen das Internet, um Informationen zu recherchieren, Nachrichten zu lesen, mit Verwandten und Bekannten zu kommunizieren oder online einzukaufen. So ist der Anteil der Internetnutzer bei den über 70-Jährigen von rund 29 Prozent im Jahr 2014 auf 52 Prozent im Jahr 2020 gestiegen. Allerdings ist hier auch eine Ambivalenz zu beobachten. Laut der Genereali Altersstudie zeigen sich innerhalb der Gruppe der 65- bis 85-Jährigen große Unterschiede beim Umgang mit technischen Entwicklungen: Je älter die Menschen sind und je niedriger ihr Einkommen ist, desto weniger sind sie online aktiv. Viele dieser Menschen fühlen sich von den neuen technischen Entwicklungen überfordert.

Ziel im Sinne der Chancengleichheit muss es daher sein, alle älteren und alten Menschen an den Möglichkeiten der Digitalisierung teilhaben zu lassen. Auf diese Weise lassen sich die Lebensqualität und Selbstbestimmung im Alter enorm verbessern. Doch wie kann die digitale Teilhabe in stationären Pflegeeinrichtungen gelingen?

Wie können Altenheime die digitale Teilhabe der Bewohner*innen unterstützen?

Betreiber*innen von Pflegeeinrichtungen können viel dazu beitragen, um den Heimbewohner*innen die Partizipation am öffentlichen digitalen Leben zu ermöglichen. Neben der Bereitstellung von WLAN spielt hierbei auch die Einbindung digitaler Themen in die Betreuungsangebote eine wichtige Rolle.

WLAN und digitale Endgeräten bereitstellen

Die zentrale Voraussetzung für digitale Teilhabe ist der Zugang zum Internet. In deutschen Altenheimen ist die WLAN-Verfügbarkeit bisher jedoch noch sehr eingeschränkt: Laut einer Studie von pflegemarkt.com bietet nur rund jede dritte der befragten Pflegeeinrichtungen die Möglichkeit zur WLAN-Nutzung. In über 80 Prozent dieser Häuser müssen die Bewohner*innen extra für diese Leistung bezahlen. Der Anteil der Pflegeheime, die ein kostenfreies Netz zur Verfügung stellen, ist mit 6 Prozent momentan noch sehr gering.

In einer Stellungnahme forderte die Interessenvertretung der Senior*innen in Deutschland BAGSO (kurz für „Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen“) deshalb, jedes Alten- und Pflegeheim bis Ende 2020 mit WLAN für die Bewohner*innen auszustatten. Auf diese Weise will die Organisation verhindern, dass ältere Menschen mit einem Umzug in eine Pflegeeinrichtung ohne WLAN digital abgehängt werden.

Seniorenheime, die kostenfreies WLAN zur Verfügung stellen, heben sich von ihren Mitbewerbern ab und bieten ihren Bewohner*innen ein höheres Maß an Selbstbestimmung und Lebensqualität. Dazu gehört im nächsten Schritt auch, ihnen Zugang zu funktionstüchtigen Endgeräten wie Tablets oder Smartphones zu geben.

Einfachen Einstieg in digitale Medien ermöglichen

Insbesondere für die Senior*innen, die bisher noch wenig Umgang mit dem Internet und mobilen Endgeräten hatten, muss der Einstieg in die digitale Welt so einfach wie möglich gestaltet werden. Das beginnt mit einer einheitlichen Software für Smartphones und Tablets, die eine niedrigschwellige, benutzerfreundliche Oberfläche bietet. Darüber hinaus ist es wichtig, die älteren und besonders die hochbetagten Menschen bei den ersten Schritten ins Internet zielgruppengerecht zu begleiten, um ihre Kompetenz mit der Nutzung digitaler Medien zu steigern.

Auch eine dauerhafte Begleitung der Heimbewohner*innen im Umgang mit der Online-Welt bietet einen enormen Mehrwert. Idealerweise sollten stationäre Pflegeeinrichtungen speziell ausgebildete Helfer*innen dafür engagieren. Auf diese Weise werden die Pflegekräfte nicht mit einer zusätzlichen Aufgabe belastet.

Das Projekt „Digital mobil im Alter“, das die Stiftung Digitale Chancen in Kooperation mit O2 initiiert hat, klärt ältere Menschen über Herausforderungen im Umgang mit dem Internet auf und bringt ihnen die Chancen der Digitalisierung für ihr Leben näher. Im Leitfaden „Digitale Kompetenzen für ältere Menschen“ stellt die Initiative Instrumente vor, wie beispielsweise Pflegeheime ein bedarfsgerechtes Angebot zur Unterstützung älterer Menschen mit digitalen Medien planen und gestalten können.

Digitale Teilhabe ins Betreuungsangebot integrieren

Über die reine Unterstützung im Umgang mit dem Internet und Mobilgeräten hinaus können Seniorenheime ihren Bewohner*innen einen besonderen Mehrwert bieten, wenn sie digitale Angebote in ihr tägliches Betreuungsangebot einbinden. Die Einsatzmöglichkeiten hierfür sind vielfältig. So sind beispielsweise speziell für alte Menschen entwickelte Spiele-Apps nicht nur unterhaltsam, sondern halten auch den Geist fit. Über Musik-Streaming-Dienste wie Spotify lässt sich eine Art „Wunschkonzert“ für die Senior*innen veranstalten. Und mithilfe von Kommunikations-Apps wie Skype können die Bewohner*innen mit Angehörigen in Kontakt bleiben, die nicht regelmäßig zu Besuch kommen können.

Ein gutes Beispiel, wie durch eine App Nützliches mit Unterhaltung und Aktivierung kombiniert werden kann, ist unser digitaler Lieferdienst Emma. Dieser ermöglicht es den Heimbwohner*innen, über eine App eigenständig Snacks, Kosmetik und andere Dinge des täglichen Bedarfs einzukaufen. Diese Bestellungen der Bewohner*innen werden dann automatisch in die Pflegeeinrichtung geliefert. Das Einkaufen über Emma kann perfekt im Rahmen einer wöchentlichen gemeinsamen Einkaufsstunde in das Betreuungsprogramm von Pflegeheimen integriert werden.

Fazit

Digitale Medien ermöglichen es Menschen in Seniorenheimen, ein selbstbestimmteres Leben zu führen und am sozialen und gesellschaftliche Leben teilzuhaben. Die digitale Teilhabe ist daher ein essentieller Faktor für eine hohe Lebensqualität im Alter. Dennoch fehlen in der deutschen Pflegelandschaft momentan noch wichtige Voraussetzungen, die den Bewohner*innen stationärer Pflegeeinrichtungen den Zugang zu digitalen Angeboten ermöglichen. Altenheime, die jetzt attraktive Angebote für die digitale Teilhabe schaffen, haben einen klaren Wettbewerbsvorteil.